Gestern, 22:15 - Wörter:
Auf der Flucht
Nachdem die Gruppe aus der Militärsiedlung geflohen ist, müssen sie sich zu viert durchschlagen, bis sie auf Fremde und alte Bekannte treffen ...
Spielende Charaktere:
Vereinbarung:
- Antwortfrist: ein Monat, individuelle Absprachen
- Wenn länger abwesend:wird vorher / bei Bedarf abgesprochen
- Wenn jemand ausfällt: Absprache unter denen die bleiben oder Szene beenden
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Die letzten Stunden verschwammen zu einer Mischung aus Chaos, erschreckend koordinierten Abläufen und Routinen. Nachdem Cane von Dr. Harari in den Plan eingeweiht worden war, hatte alles funktionieren müssen. Kein Raum für Zweifel oder Fehler. Sie hatten sich entschieden und mussten mit den Konsequenzen leben. Sie gaben hier alles auf, was sie noch hatten – was zumindest für Cane und Merida doch eine Menge gewesen war. Allerdings hatten sie beide sich verändert. Wegen Luca und Tom, die nichts hier hatten.
Der Kuss von Luca, als sie sie über den Fluchtversuch in Kenntnis gesetzt hatte, erinnerte Merida immer wieder daran, dass das hier richtig war. Dass sie sich entscheiden musste und es eigentlich nur eine einzige Option gab. Innerhalb der Basis konnte sie überleben. Aber nicht leben. Das schaffte sie erst wieder, seit diese Menschen in ihr Leben getreten waren. Also war das Versprechen sie zu begleiten, das einzig mögliche Vorgehen gewesen. Sie könnte Luca und auch Tom nicht aufgeben.
Sie erkannte an Canes gesamtem Verhalten, dass es ihm genauso ging.
Also waren Vorbereitungen vonnöten gewesen. Ohne Schutzausrüstung konnten sie nicht nach draußen gehen. Sie brauchten Werkzeuge, diverse Materialien und Waffen. Merida wünschte sich, dass Dr. Harari und Darla mit ihnen kommen könnten, denn ihr war klar, was auf die beiden zukäme, wenn sie es nicht taten. Aber das war schwierig bis unmöglich. Solche Operationen bedeuteten immer auch Opfer und die zwei hatten sich entschieden dieses Risiko zu tragen. Für Tom. Merida stockte der Atem, wenn sie daran dachte, was für Beziehungen sich hier in den letzten Monaten entwickelt hatten.
Merida hätte Lucas Fragen gerne beantwortet, sich Zeit für Tom und sie genommen, aber diese Minuten hatten sie nicht. Nicht einmal Sekunden durften an dieser Stelle verschwendet werden.
„Nicht reden, folgen“, ordnete sie also an und klang streng dabei, denn das war immens wichtig. Dennoch wurde ihre Miene wie von selbst wieder weicher. „Ein letztes Mal, okay?“ Denn davon hing ihrer aller Erfolg ab.
Harari plante, Cane führte aus, Merida sicherte. Sie alle waren in diesem Moment eine Einheit mit dem einzigen Ziel, an einem Stück hier raus und fort zu kommen. Kein Raum für Gefühle, nur möglichst leise Schritte, Umsicht, in Deckung gehen.
Merida vergewisserte sich, dass Luca und Tom weiter liefen, funktionierten, nicht kollabierten. Adrenalin hielt sie alle aufrecht.
Es war keine Überraschung, dass die Sache schmutzig wurde. Cane hatte damit weniger ein Problem als Merida, die sich doch zumindest weniger Widerstand gewünscht hätte. Dennoch tat sie, was nötig war, denn sie waren bereits viel zu weit gegangen, um jetzt noch mit den Folgen zurechtzukommen, die sie hierfür würden ertragen müssen. Allen voran Tom. Niemand von ihnen machte sich Illusionen darüber, dass eine missglückte Flucht sein Untergang wäre.
Also trieb Cane sie weiter, während Merida einige Sekunden lang die sich schließende Schleuse anstarrte. Sie hatte so sehr gehofft, dass wenigstens Harari mit ihnen kommen würde … sie schüttelte den Gedanken ab, musste weiter laufen, weiter sichern, es Cane ermöglichen, einen möglichst schnellen, sicheren Weg von hier fort zu finden. Trauern konnten sie später noch. Eingespielte Muster übernahmen wieder die Führung, während Cane zielsicher Wege fand. Die regelmäßigen Exkursionen boten zumindest den Vorteil, das Gelände zu kennen. Leider traf das allerdings auch auf ihre Verfolger zu.
Also mussten sie laufen. Weit über die eigene Erschöpfung hinaus. Fahrzeuge wären nicht einmal eine Option gewesen, wenn sie eines bekommen hätten, denn damit hätte man sie gehört. Irgendwann schienen die Verfolger aufzugeben. Dennoch trieben Merida und Cane die beiden weiterhin zur Eile an. Vermeintliche Pausen konnten immer auch eine Falle sein und sie hatten nicht vor, eine solche hier zuschnappen zu lassen.
Cane war es, der schließlich das Signal zum Stehenbleiben gab.
„Wenn sie umkippen, bringt uns das hier nichts mehr.“ Er klang ruhig, analytisch, atmete selbst kontrolliert.
„Langsame Atemzüge“, wies er die beiden dann an. Bzw. zumindest Tom, denn Luca warf sich bereits in Meridas Arme. Das war in Ordnung. Nun konnten sie sich eine kleine Pause erlauben.
Merida schlang die Arme um Luca, im ersten Moment unfähig den Dank zu erwidern. Erst nach und nach begann sie selbst zu realisieren, dass der erste Schritt gemacht war. Dass sie vor einer reellen Chance auf Freiheit standen. Mit allen Risiken, die das mit sich brachte. Der Gedanke machte ihr Angst. Allerdings fühlte er sich auch richtig an.
Sie hielt Luca etliche Sekunden lang einfach nur fest, während Cane weiterhin bei Tom stand.
„Wir brauchen eure Expertise“, ließ er verlauten, während sein Blick über den Jungen nach oben Richtung Himmel glitt. „Merida und ich sind gut in dem, was wir tun, aber wir haben weniger Möglichkeiten hier. Und nicht so viel Erfahrung im auf uns allein gestellt sein.“
Denn Cane hatte sich meistens für den einfacheren Weg entschieden und somit nur so kurz wie möglich in einer unabhängigen Gruppe zugebracht.
Merida kannte das Draußensein. Aber natürlich war es etwas anderes, wenn von oben jederzeit tödlicher Regen fallen konnte.
Sie schob Luca ein paar Zentimeter von sich, strich über deren Wange und lächelte leicht. Sie würden das schon irgendwie hinbekommen.
„Wir müssen ein Lager aufschlagen. Vielleicht verfolgen sie uns nicht mehr, weil sie von einem Wetterumschwung wissen, den wir noch nicht mitbekommen haben.“ Denn nun hatten sie weniger Instrumente, weniger Chancen für eine Weitsicht. Harari würde aufgepasst haben, dass er sie nicht direkt in ein Unwetter schickte, aber auch er hatte letztendlich wohl eher nach einer Chance als nach den sichersten Bedingungen Ausschau halten müssen. Und sie waren nun so oder so auf sich alleine gestellt.
„Hoffe, er bereut es nicht, uns geholfen zu haben“, brummte Cane und Merida nickte langsam. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, was sie ihm antun konnten.
„Ich denke, er wird Darla da raushalten.“ So fair erschien Dr. Harari ihr schon.
„Er soll’s einfach auf uns schieben.“ Cane wäre es egal, Merida und er konnten ohnehin nie wieder zurück. Und würden es auch nicht wollen, weil Merida eine Freundin und er einen kleinen Bruder gefunden hatte. Das fühlte sich merkwürdig an, zog ungewohnt in seiner Brust und für einen kurzen Moment fragte er sich sogar, ob er dem überhaupt gerecht werden würde.
„Wir laufen noch ein Stück weiter, in für uns besseres Gelände, sobald ihr Schutzkleidung tragt“, ordnete er an, um die seltsame Regung zu verdrängen. „Dann werden wir ein Lager aufschlagen. Ihr müsst euch ausruhen. Wir werden die Wachschichten übernehmen, damit uns niemand überrascht. Wir brauchen Blick auf den Himmel.“ Sonst würde ihr kleines Abenteuer ein schnelles Ende finden. „Und Essen. Ein paar Rationen konnten wir abgreifen, aber es ist wichtig, so bald wie möglich eine Versorgung aufzubauen.“
Was die Frage mit sich brachte, wo sie sesshaft werden wollten. In Bewegung zu bleiben machte sie zu einem weniger leichten Ziel. Ein stationäres Lager ließ sich besser sichern und vielleicht sogar Lebensmittel anbauen.
„Vielleicht könnten wir uns Richtung der Berge orientieren“, überlegte Merida halblaut, als sie die Schutzanzüge für Luca und Tom rauskramte. Ihr Blick wanderte zu Luca. „Ihr seid bisher die Überlebenskünstler gewesen. Was denkt ihr?“ So oder so würde schließlich alles, was sie nun taten, immer eine gemeinschaftliche Entscheidung werden. Sie alle brachten jeweilige Stärken und Schwächen mit sich, keine Person stand über der anderen. Sie waren nun ein Team, dass sich vollumfänglich aufeinander einstimmen musste. Merida war bereit.
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